Teil eines Werkes 
1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

ſich allen den Entſagungen unterwerfen, welche Sie erwarten, oder will Sie lieber das Mädchen ver⸗ laſſen und mir daſſelbe ganz und gar über⸗ laſſen und ſich einen beſſeren Dienſt verſchaffen, ſo thue Sie das. Faſſe Sie ihren Beſchluß bis morgen, denn zieht Sie es vor, das Kind zu verlaſſen, dann ſorge ich dafür, daß es eine andere Wärterin be⸗ kommt. Wenn Sie Ihre Wahl getroffen, dann will ich nichts mehr von der Herkunft des Kindes ſpre⸗ chen hören. Habe ich mich deſſelben angenommen, ſo will ich auch zu vergeſſen ſuchen, daß ein Anderer als ich der Vater deſſelben iſt. Ich werde auf eine ſolche Weiſe für es leben und wirken, als wenn es das meinige wäre. Verſteht Sie?

Herr Bromer ſtand auf, um in ſein Zimmer hin⸗ einzugehen; aber Lotta hielt ihn mit den Worten zurück:

Ich brauche keine Bedenkzeit. Ich habe der Mutter verſprochen, das Kind zu pflegen, und ich gedenke auch das, was ich verſprochen, zu halten. Wo das Kind iſt, da bleibe ich. Jetzt hat Herr Bromér mein Wort.

Lotta trocknete die Thränen und drückte das kleine Weſen mit einem Ausdruck mütterlicher Zärtlichkeit an ihre Bruſt.

Eine Stunde ſpäter ſagte Herr Bromér Lotta gute Nacht und zog ſich in ſein Zimmer zurück.

In dem Zimmer, welches es ſich vorbehalten, be⸗ fand ſich kein Ofen, ſondern er wurde von demſelben erwärmt, welcher in dem vorderen Zimmer die Feuer⸗ ſtätte ausmachte. Das Meublement beſtand aus einem ungehobelten Beit, einem hölzernen Stuhl und