Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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den

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Schäm dich doch, Alter, ſagte die Frau Ur⸗ ban.Wirſt doch im Beiſein des Johannes nicht ſo dummes Zeug plaudern, was muß er denn von uns denken.

Der denkt gar nichts von uns und iſt blos im Gedanken bei Blondinen. Doch da kommt ſie, fügte er hinzu.Alle Wetter, wie hübſch hat ſie ſich heute angekleidet und wie ſchön ſie iſt, das muß man ſagen, Blondine iſt doch ein ſchmuckes Mädel, ſie eignet ſich in jedes Coſtüm und kann ſo gut eine Dame ſpielen, als in der Küche das Kommando mit dem Kochlöffel führen, ſie iſt ein Weſen, wie es Johannes eben braucht.

Blondine trat ein und nach einiger Zeit ſetzte man ſich zu Tiſche, alle waren fröhlich und vergnügt.

Nach einer Stunde fuhr der Wagen vor. Jo⸗ hannes und Blondine ſtiegen ein. Frau Urban hob kleinen Friedrich nach, noch einige warme Worte Abſchieds und des Dankes, dann gings fort. Ganz Freudenthal war in dieſem Moment auf

den Beinen. So was hatte man hier noch nicht

erlebt und den Bewohnern blieben vor lauter Ver⸗ wunderung die Mäuler offen ſtehen. Blondine nickte einigen ihren Bekannten freund⸗ lich zu, während der Wagen raſch durch die Gaſſe des Dorfes flog. Bald war man im Freien an⸗ gelangt.

Nach einigen Stunden gelangten ſie in die Nähe des Beierhofes.

Blondine zitterte beim Anblick dieſes Gehöftes, welche Erinnerungen mußten ſie nicht ergreifen, bei dem Gedanken an die Vergangenheit, die ſie hier erlebt, an die furchtbaren Momente, wo ſie einſt mit ihrem Kinde halb todt vor dem verſchloſſenen Thore