wünſchte, ich hätte auch eine ſo gute Mutter gehabt, leider war mir dies Glück nicht beſchieden. Die meinige hat mich ſtets gehaßt und iſt jetzt ihrem Geſchick verfallen.“
„Beruhige dich,“ ſagte Johannes.„Der El⸗ tern Schuld wird von den Kindern nicht gefordert. Setze dich darüber hinweg und gedenke nicht an die Vergangenheit zu rück.“
„Du begleiteſt mich zu meiner Mutter,“ fuhr er fort.„Sie iſt eine alte brave Frau und wird dich, und unſern kleinen Friedrich, welchen wir natürlich auch mitnehmen, wie mich ſelbſt lieben. Wir wollen heute noch nach R., einem kleinen heſſiſchen Dorfe, wo meine Mutter wohnt, abfahren.“
Blondine war es zufrieden, ſie kleidete ſich auf das Beſte an und während ſie ſich zur Abreiſe vor⸗ bereitete, unterhielt ſich Johannes mit dem Richter ſer⸗ in deſſen Hofe die Equipage des erſteren
Die Gattin Urbans hatte unterdeſſen eine gu Mahlzeit angerichtet und Urban ſelbſt hatte ein Paar Flaſchen alten Wein aus ſeinem Keller geholt. 8
„Der iſt noch von meiner Hochzeit übrig ge⸗ blieben,“ ſagte der gutmüthige Mann,„und ich glaube, daß ſich keine beſſere Gelegenheit jemals finden wird, als heute, um ihn anzuſtechen. Wir wollen das treue Liebespaar leben laſſen. Na, das iſt wahr, der Johannes und die Blondine haben feſt an einander gehalten und ſich durch keinen Sturm erſchüttern laſſen. Ich wollte wetten, wenn ich nach Amerika gegangen wäre, meine Alte hätte keinen Monat gewartet und ſich ſofort einen andern angeſchafft.“
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