holen, welche über einem Abhange in voller Blüthe
ſtanden. ₰. Blondine erfüllte den Wunſch des Kleinen; ſie pflückte die Blumen und ſetzte ſich nieder, um einen
Kranz aus denſelben zu flechten.
„Dieſen Kranz wirſt du für den guten Vater Urban mit nach Hauſe nehmen,“ ſagte ſie;„er hat morgen ſeinen Namenstag, und da wirſt du ihm ein bübſches Verschen ſagen. Er bringt dir ſo oft ein Stückchen Kuchen oder eine Zuckerdüte aus der Stadt mit, und da mußt du hübſch dankbar ſein.“.
„Ja, Mama, das will ich auch,“ verſetzte der Knabe.„Vetter Urban(ſo nannte der Kleine den Richter gewöhnlich) iſt mir ſehr gut, er hat mich
ſchon oft auf das ſchwarze Pferd gehoben und reiten laſſen; ach! wie feſt er mich da hält, daß ich ja nicht
herunter fallen ſoll. Ich liebe den Vetter Urban aber auch gar ſehr und möchte immer bei ihm ſein.“
Eine Stunde war vergangen, und Blondine
hatte einen wunderſchönen Kranz geflochten; ſie ſtieg
noch ein Mal den Abbang hinauf, um noch etwas Moos zu einer Einfaſſung zu ſammeln.
Während ſie damit beſchäftigt war, blieb der
Knabe am Fuße der Anhöhe und pflückte Blumen,
wobei er froh und heiter vor ſich hin plauderte.
Während dies geſchab, waren zwei Männer
Sen vom Dorfe hergekommen und hatten ſich
dem Knaben genähert, dieſer richtete ſich von unge⸗ fähr empor und erkannte den Richter von Freuden⸗ thal z er lief ihm ſogleich entgegen und rief ein Mal über das andere:
„Vetter Urban kommt, Mama, ſieh dich um, Vetter Urban kommt.“


