Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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Sie hatte indeſſen von Jabr zu Jahr auf ſeine äctehr gehofft, und hatte bisher felſenfeſt auf ſeine 3 Treue gebaut, trotzdem, daß ſie ſo manche hohniſche Bemerkung von ihrer Umgebung darüber hören mußte.

Laß dich doch nicht auslachen, ſagte dieſer und jener,und denke nicht daran, den Johannes noch ein Mal wiederzuſehen; wer weiß, ob er noch lebt, oder ob er gar noch an dich denkt. Er wird ſchon längſt ein anderes Lebchen gefunden und die Erinnerung an dich aufgegeben haben. Blondine ſchwieg gewöhnlich bei ſolchen Reden ſtill; ſie dachte ſich, was ſie wollte, und ließ alles

geduldig über ſich ergehen.

Der Richter Urban, ein böchſt braver, recht⸗ ſchaffener Mann, nahm das Mädchen oft gegen die Angriffe der Gegner in Schutz und vertheidigte ſie gegen diejenigen, welche ihr zum Nachtheil ſprachen.

Laßt mir das Mädel in Ruhe, ſagte er,ſie iſt beſſer, als ibr es verſteht; ſie arbeitet fleißig und nährt ſich ebrlich, und daß ihr die unglückliche Liebe

nicht aus dem Gedanken will, iſt ein Beweis, daß g ſie ein gefühlvolles Herz beſitzt. Es war an einem ſchönen Sonntage, zu End des Monats Mai. Blondine hatte mit dem tleinen 3 Friedrich die Wohnung verlaſſen und war mit ihm binausgegangen, um auf der Anhöhe vor dem Dorfe Blumen zu pflücken. Der Knabe hüpfte fröhlich ben der Mutter dahin und freute ſich in ſeinem kin liche Gemüth, bald über dieſen, bald über jenen Gegenſtand; er hüpfte jauchzend den Schmetterlingen nach und war ſo glücklich und vergnügt, während Blondine gedankenvoll weiterging. Der Knabe kehrte zuweilen zurück und zupfte die Mutter am Kleide und bat wiederholt, ſie moge ihm die ſchönen Blumen