6—
obgleich die Mutter Gottes ſich nicht wie dort zu ihr herabgeneigt hatte, auch ſie kein goldgelocktes Buͤblein im Arme wiegte, ſo fuhlte ſie ſich gleich⸗ wohl wunderbar geſtarkt im Glauben, und die ſeligſten Hoffnungen ſchwellten ihre keuſche Bruſt.
Mit ſtiller Wuͤrde führte der Wilbgraf ſeine
Gemahlin aus dem Gotteshauſe; ihnen nach folgte ihr Begleiter, der Greis, deſſen heiße Thraͤnenſtroͤme des Hochaltares Stufen genetzt hatten.
Nachdem die Mönche nun ihre Dankſagungen fuͤr die reich empfangenen Geſchenke abgeſtattet und den großmuͤthigen Spender berſelben faſt mit Segenswuͤn⸗ ſchen uͤberſchuttet hatten, verließen die Wallfahrer
vas Kloſter, erquickten ſich durch Speiſ' und Trank,
heiter und wohlgemuthet ihren Ruͤckweg antre⸗ tend.—
Es zeigte ſich bald, wie wohlthätig dieſe Pil⸗ gerreiſe fur Frau Maria geweſen ſei. Mögen nun die Gebete der frommen Mönche, das gnadenreiche
Marienbild zu Schwäbiſch⸗Hall— oder die ſchone
heitere Fruͤhlingsſonne ihren Geiſt und Körper wun⸗ derbar geſtürkt haben— genug— die roſenwangige
Frau fuͤhlte nach drei Monden, daß ſie Mutter wer⸗


