Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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320 hatte wohl den Rachedurſt in meiner Bruſt geſtillt, doch nicht meine Liebe zu Leonoren gemäßigt, dieſe zu zer⸗ ſtreuen gab ich mich dem Rauſche eines zügelloſen Le⸗

bens hin. Doch Spiel und Trunk, und ſelbſt der em⸗

pörende Verſuch, mein Herz durch die gefliſſentliche Ent⸗ weihung aller weiblichen Scham und Tugend von dem Glauben zu heilen, es gebe irgend ein makelloſes weib⸗ liches Weſen und dieſes Weſen ſey Leonore, alle dieſe Schlangenwege einer nicht erhörten Liebe, die ſich in ſchlammigen Kreiſen um das Ziel beweget, da ſie der Kraft ermangelt, ſich geraden Wegs davon zu entfer⸗ nen, konnten mein Herz nicht beruhigen. Meine Lei⸗ denſchaft für die reine Leonore wuchs, je verächtlicher mir die Welt wurde, die meinen Ausſchweifungen fröhnte. äbgeſpannt an allen meinen Kräften durch muthwilligen Sinnengenuß und durch die hoffnungsloſe Sehnſucht nach einem mir für immer verwehrten Gute, fand mein ver⸗ blendetes Gemüth keinen andern Ausweg aus dem Welt⸗ theater, deſſen verlockendſte Scenen ich bald von der Kehrſeite als eine elende Leinwand auf Latten geſpannt und mit allen Farben des Truhs übertüncht zu verach⸗ ten begann, als die Pforte des Todes, die ich ſelbſt aufreißen wollte, vor der Zeit, die mir vielleicht geſet ſeyn mochte. Mir Muth zu verſchaffen zu ſolchem der Menſchennatur entgegenſtreitendem Schritte leerte ich