Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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tiefern Thäler hinab, er glaubte Leonoren auf dieſem

einzigen Wege aus Afdal einzuhohlen, aber eine Stunde war er gegangen, und er hatte ſie nicht eingehohlt, keine Spur ihres Fußes im Sande gefunden. Er kehrte

halb bewußtlos vor Schmerz und Kummer zurück, bis

an den Fall des Afdalſtromes, wo er die zwey hoch⸗ ragenden bräutlichen Felſen mit den donnernden Rie⸗ ſenarmen ſeines Sturzes umarmt. Adolph ſtand allein, dem Waſſerfalle gegenüber, allein in der großen furcht⸗ baren, öden Natur; ſeine Gattinn war ausgezogen aus dem Thale, und er wußte nicht wohin? Da geſtaltete ſich, als er ſich ermattet von den Leiden des Lebens und des letzten Tages, verlornen Sinnes an den Rand des Waſſerfalles niederließ, das Bild der unfruchtbaren Einöde um ihn herum, wo die Lawinen die letzte Aus⸗ ſaat mit Eis bedeckt hatten, das Bild dieſes Thals voll Schrecken und Todesgefahr, aus dem ſein Weib ent⸗ flohen, ohne daß er wußte wohin, zum Bilde des Men⸗

ſchenlebens und ſeines eigenen, wo die kargen letzten Hoffnungskeime unter den Lawinen des Elends erſtar⸗

ren, wo unſere Lieben uns verlaſſen, ohne daß ihre er⸗ kaltenden Lippen uns antworten könnten, wohin ſie zie⸗

hen. Eine unwiderſtehliche Sehnſucht nach dem unbe⸗

kannten Lande, zu dem auch nur ein Weg aus dem Le⸗ ben führt, wie aus dem felſigen Vettiethale nur ein