Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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312 rer Bruſt war die Ueberzeugung, daß auch die Liebe, deren Unabhängigkeit von allen äußern Verhältniſſen in Büchern ſo ſehr geprieſen wird, von dieſen denn doch nur bis auf einen gewiſſen Grad unabhängig ſey: ſie kann erſtarren, wenn das Leben nichts mehr biethet als Jam⸗ mer und Noth. Leonore wagte keinen Kuß auf Adolphs Lippen ſeit ein allgemeines Unglück der Liebe verboth, auf das Bettlerkleid ihre Roſen höhnend zu heften. Es gibt Lagen im menſchlichen Leben, wo die Liebe ſich zu klein fühlet, um vor der hohen Entſchloſſenheit und Seelenſtärke, die ſoſche Lagen vom Menſchen fordern, als Mitwirkerinn zu erſcheinen, ſie verſteckt ſich dann tief im Herzen, und Kälte wird den unglücklichen Liebenden unwillkührlich eigen, deren unglück nicht eben eine Ge⸗ fahr für ihre Liebe ſelbſt iſt, wo dann allerdings die Liebe zur Kraft werden darf. Leonore fühlte das wohl, aber ſie konnte ſich's nicht erklären. Adolph ſchien ihr kalt, er hatte viel zu ſorgen für Vater, Weib und Kind, und es verdroß ihn, jene die er liebte leiden und dar⸗ ben zu ſehen, um ſeinetwillen; auch die Liebe ſollte ſein Herz, der That bedürftig, nicht durch das Ueberſtrömen ſchmerzlicher Liebesgefühle erweichen. Leonore deutete das anders; mit den verdorrten und übereiſten Sagken Olſons, mit dem letzten Funken des Glücks glaupi ſie auch die Liebe Adolphs erloſchen; der längſte Tag gab