Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

308 chen konnte. Jetzt fand Leonorens edle Seele Gele⸗ genheit, ſich der Liebe Adolphs, der ihr das Heiligſte, der ihr ſein Wort, dem Vater gegeben, geopfert hatte,

würdig zu zeigen. Freudig nahm ſie die Kunde von ſeiner Verarmung auf:»Hugo, ſprach ſie, beſitzt deine Güter, ich aber beſitze dich mein Adolph, und mein Kind! Sey froh, denn wir werden glücklich ſeyn in der Ueberzeugung, daß Reichthum ohne Liebe nicht glück⸗ lich macht, wie ich denn an Hugos Seite nur unglück⸗ ſelig ſeyn müßte. Leonore verkaufte ihre vornehmen Kleider, und ihre wenigen Schmuckſachen; ſie kleidete ſich wie Adolph in die Tracht der Thalbewohner, unter denen ſie leben ſollten, verſah ſich mit ländlichem Wirthſchaftsgeräthe, und wer das treuliebende Paar

mit dem herzigen Kinde auf der Reiſe nach Vettiethal

ſah, der mochte wohl nicht zweifeln, daß es auch dort glückliche Menſchen geben könne.

In Olſons Hauſe war die Ankunft Adolphs und ſeiner Gattinn ein wahres Freudenfeſt. Guſtav herzte ſeinen kleinen Enkel und er gewann Leonoren lieb, die mit Auguſten Freundſchaft ſchloß; Adolph und Olſon waren Ingendfreunde, und ſo umſchloß der enge Af⸗ dalhof einen Kreis feſt verbundener ſich innig liebender Menſchen, die aus allen Stürmen des Lebens in den Hafen eines beſchränkten und mühevollen aber unge⸗