Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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305 mahls ganz eröffnen, als ich dich auf Reiſen ſandte, dein erhitztes Gemüth in Anſchauung vielgeſtaltiger Le⸗ bensverhältniſſe zu kühlen, weil ich von deiner kindli⸗ chen Liebe erwarten durfte, du würdeſt leichter aus Ge⸗

horſam zu mir, dich meinem Willen fügen, als dem

Willen eines Verſtorbenen. Dieſen hätte dich eine le⸗

bendige Leidenſchaft, wie jede in deiner ſtürmiſch auf⸗ lodernden Bruſt ſich zeigen muß, leicht verlachen laſ⸗ ſen, und dein feſter männlicher Sinn hätte Leonoren gewiß mit Bewußtſeyn den Reichthum aufgeopfert, den du ihr unbewußt zum Opfer brachteſt. Darum zog ich vor, dich an ein dunkles Verboth zu ketten. Verhält⸗ niſſe, denen ich vielleicht ſelbſt nicht widerſtanden hät⸗ te, haben dich dieß Geboth vergeſſen laſſen; es iſt ein⸗ mahl geſchehen, und meiner Verzeihung kannſt du ge⸗ wiß ſeyn. Vald nachdem du in Bergen dich mit Leo⸗ noren vermählt hatteſt, brachte ein dir nachgeſendeter geheimer Späher Hugo's von Lindenſtiern mir nebſt der Urkunde, die Erich an die Familie Lindenſtiern ausgeſtellt hat, und die ſie in den Beſitz meiner Güter ſetzt, ſobald du ſeinem Teſtamente entgegen gehandelt, eine Beſtätigung über den Vollzug deiner Ehe, ausge⸗ fertigt von der Kirche, wo du getraut worden. Da du von Bergen dich bald zurück zogſt, war ich nicht im Stande deinen Aufenthalt zu erfahren. Hugo Linden⸗