Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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299 Brief Blandinens:Cuch meine Liebe offen zu geſte⸗ hen, war ich dreymahl durch Verhältniſſe abgehalten. Als gehorſame Tochter konnte ich den Jüngling nurzur Geduld und Treue ermahnen; den Mann, der die Treue nicht bewahrt, und ſein Herz unwiderruflich verſchenkt hatte, zwang mich die Pflicht ſchnell zu verlaſſen. Als ich meines Vaters Willen ehrend die Hand Lindenſtier ns annahm, ihr aber mit freyem Herzen vor mir in Eda am Wenerſee, unkenntlich, wie ihr glaubtet, erſchienen waret, konnte ich als treue Gattinn nur die Augen, mich ſelbſt überwindend, niederſchlagen, euch nicht mehr zu ſehen. Jetzt in der Stunde des Todes, wo alle irdiſchen Verhältniſſe gleich Schleyern von unſern Augen fallen, jetzt eröffne ich euch, daß ihr es nach meinem Tode erfahret, was ich euch lebend nicht ſagen durfte, daß ich Vater und Gatten geehrt, aber euch allein auf Erden geliebt habe; glaubt an eine doppelte Unſterb⸗ lichkeit an eure und an die meinige, dieſer Glaube wird in Erfüllung gehen, und doppelt ſelig werden wir uns einſt wiederfinden; auf Erden ſeyd ihr mein Erbe; Lindenſtierns Söhne bedürfen der Reichthümer Adelfleths nicht. Lebt glücklich Erich, wie ich ſelig ſterbe in dem Gedanken an euch Blandine. Die Liebe Blan⸗ dinens, an der mein Herz ſtets gezweifelt hatte, war alſo kein Traum geweſen; doch erſt der Tod durfte den