ſah ich nur eine kalte Weltfrau vor mir ſtehen⸗ auswei⸗
292 zu meiner Verzweiflung richtig; in jenem Augenblicke chend der Gluth⸗ die ſie ſelbſt durch das Gewähren küh⸗ ner Hoffnungen angeſchürt hatte; ich haßte, ich verach⸗ tete die Göttliche, verblendet von ungezügelter Leiden⸗ ſchaft, ſtatt ſie zu verehren, die mich und ſich vielleicht mit Selbſtverläugnung in den Schranken der Ehrbar⸗ keit und der Pflicht zu halten bemüht war.—„Nehmt,“ ſprach ſie weiter,„dieß gefährliche Blatt, damit es in keines Feindes Hand gerathe, wieder zurück, nehmt den Brief, den ihr mir heute ſchriebt, zurück, und als Antwort die Aufforderung zur Ausdauer, und zu jener Treue, die oft ſpät aber immer die herrlichſte Krone den Liebenden flicht.“— Ich ſtand ſprachlos vor Wuth über die Kälte, womit mich Blandine in ſo entſcheiden⸗ dem Augenblicke tröſtete; da erſchien ihr Vater von einigen Dienern begleitet, er entriß ſeiner Tochter mei⸗ nen Brief, las ihn im Scheine der Fackel mit zittern⸗ den Lippen,— führte ſeine Tochter hinweg, und be⸗ fahl, mich ins Gefängniß zu ſchleppen.
Ich hielt mich für verrathen von Blandinen, die meine Entfernung wünſchen mochte, um nicht länger das Geſpräch der Stadt zu ſeyn. Dieſer Glaube war hinreichend, mich unempfindlich gegen die Schande der Verhaftung, und gegen das von Adelfleth erwirkte Man⸗
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