291— Verdienſt fehlte, in bitterer Armuth. Doch gerade in der bedrängteſten Lage fand ich mich zum gewagteſten Un⸗ ternehmen aufgelegt. Durch manches deutliche Zeichen der engelgleichen Blandine, ihrer Liebe gewiß, faßte ich den Entſchluß ſie zu entführen, und ſie nach Italien zu bringen, wo ich im Beſitze meines Ideals meine Kunſt⸗ werkſtätte aufſchlagen und ſie und mich redlich ernähren wollte; es war ein Plan, ganz eines ein⸗ und zwanzig⸗ jährigen Mahlers würdig, den ich Blandinen ſchriftlich eröffnete, Tag und Stunde der Flucht beſtimmend. Das Ausbleiben aller Antwort ließ mich die Gewäh⸗ rung meiner Wünſche als richtig annehmen, ich berei⸗ tete alles zur Flucht vor, und erſchien des Nachts auf dem Platze in ihres Vaters Garten, den ich bezeichnet hatte. Blandine erſchien, aber nicht um mit mir zu fliehen, um mich abzumahnen von ſo thörichtem Begin⸗ nen:„ihr habt'“ ſprach ſie„auf meine Liebe gebaut, ich mag euch darum keinen Vorwurf machen, aber als Tochter bin ich meinem Vater Gehorſam ſchuldig, er hat meine Hand an Lindenſtiern vergeben; es gelingt mir vielleicht dieſer Verbindung auszuweichen, dann erwartet von meiner Liebe, was ich von der eurigen erwarte, Treue.“ Die letzten Worte ſprach ſie mit be⸗ ſonderer Bedeutſamkeit aus, aber mein wildverlangen⸗ des Herz verſtand dieſe Worte erſt in ſpäten Jahren
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