Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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289 meine Knnſt, dachte ich Weltunerfahrner, ſey mehr als Reichthum und Ehrenſtellen, ich wußte noch nicht, daß die Kunſt nur die Todten adelt, und ihnen den ſtei⸗ nernen Lorber erſt auf den hohl gewordenen Schädel legt. Doch eben meine Kunſt, auf die ich mich ſtützte, verließ mich, und gab mich dem Hohne Vieler preis. Ich genoß einen ausgezeichneten Rufals Porträtmahler, doch ſeit Blandinens letztem Bilde wollte kein weibliches Antlitz ſich meinem Pinſelfügen; alle Frauen, die ich jetzt zu mah⸗ len glaubte, lachten und beſchwerten ſich über den verlieb⸗ ten Mahler, der die ſchöne Blandine und immer nur die ſchöne Blandine mahlte. Der Neid vieler Frauen, welche die liebenswürdige Blandine eben ihrer Reize willen an⸗ feindeten, ſetzte dieſe meine Bilder in Umlauf. In den Abendzirkeln der Reſidenz lachten die geiſtloſen Geſichter, die ich, von Blandinen erfüllt, nicht treffen wollte und konnte, darüber, daß ſie der Seele eines Künſtlerlebens

auf die Spur gekommen. Das Geſpötte der Stadt

kam auch zu Adelfleths Kenntniß; er lud mich zu ſich, und weil er hörte, daß ich all meinen Ruf in der Stadt, und meinen Erwerb um ſeiner ſchönen Tochter willen verloren, drückte er mir einen ſchweren Gold⸗ beutel in die Hand mit den Worten:dieß auf die Reiſe mein Herr, denn hier, wo ihr Adelfleths Tochter dem Gelächter preis gegeben, werdet ihr wohl als ehr⸗ II. Vand. 15