Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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287 erwärmenden Strahlen in die Seele des Betrachters hervorſchoſſen, ein Purpurmund, den die Grazien lä⸗ cheln und die Muſen ſprechen gelehrt, kurz jede weib⸗ liche Vollkommenheit fand ich in der kaum erblühten Blandine. Ich legte in ihr Anſchauen verloren mein Mahlergeräthe vor ihr aus einander, doch meine Hand

zitterte, als ich mein ſchönſtes Werk beginnen ſollte,

meine Blicke drohten im Uebermaße der Augenluſt zu erlöſchen, als ſie Blandinens Blicken begegneten. Schnell raffte ich Pinſel und Pallette zuſammen und ging fort, indem ich der ſtaunenden Jungfrau bedeu⸗ tungsvoll dieſe Worte ſagte:„Euer Bild hat mich lange und auf meiner ganzen Reiſe begleitet, ich kann euch der Langenweile mir zu ſitzen überheben; aus den hundert Bildern von euch, die ich ſchon beſitze, wird euch wohl eines ähnlich ſeyn, wenn meine Kunſt ſich gleich zu ſchwach fühlt, euch vollkommen nachzubilden, und mein Herz mir die Ruhe nicht gönnt, mich euch gegenüber mit todten Farben zu beſchäftigen.“ Ich ging und mahlte Blandinen in meiner Wohnung, ſie thronte in meinem Herzen. Ich brachte das Bild der Tochter Adelfleths, und ſie erſtaunte über die Aehnlichkeit, aber ſie ſtaunte noch mehr, als ich ihr meine Mahlerſtudien vorwies. Aus unzähligen flüchtigen Entwürfen und aus⸗ geführten Zeichnungen leuchtete ihr Bild als jenes der