285„— ſchaffen im Reiche der Kunſt angetrieben. Ich ward ein Mahler faſt ohne es zu wiſſen. Der Reiz, den ich dem gewöhnlichſten Menſchengeſichte durch ein mir in⸗ newohnendes Urbild geiſtiger Schönheit zu geben ver⸗ ſtand, die, wie ein edler Wein auch aus irdenen Nä⸗ pfen köſtlich duftet, auch aus den Augen der anſpruch⸗ loſeſten Menſchen hervorſtrahlen darf, verlieh mir bald einen großen Ruf als Porträtmahler, und ich ernährte mich und meine Aeltern durch dieß Zwittergeſchäft der Kunſt und des Handwerks. Auf einer Reiſe, die ich nach Italien antrat, als ich zwanzig Jahre alt gewor⸗ den, begegnete mir in Stockholm, als ich eben zu Schiffe ging, ein herrliches weibliches Weſen, dergleichen ich noch nie geſehen, noch nie nachgebildet hatte. Meine Reiſe erſchien mir in dem Anblicke aller der Schönheiten dieſes Weſens als fruchtlos; denn, in welchem Lande, in welchen Kunſtwerken durfte ich ein reineres, geiſt⸗ volleres Vorbild für meine Kunſtübung zu finden hof⸗ fen, als ich eben gefunden; ſie entſchwand meinem Bli⸗ cke wie eine Traumgeſtalt, aber tief in die Seele war mir ihr Bild gedrungen. Ich durchpilgerte viele Län⸗ der, und die geprieſenen Stätten italiſcher Kunſt— ich ſah der Kunſtwerke und der Menſchen viele, aber unbe⸗ friedigt wendete ich meinen Blick von Allem, denn ich fand nichts, das dem göttlichen Bilde in meiner Bruſt
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