Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

glaubt ihr wirklich an die Tugend einer Schauſpielerinn, ſo ſeyd ihr auf gutem Wege, denn ihr werdet da mit einem Mahle der Leichtgläubigkeit los, die ein arges Vademecum für junge Männer iſt. Jedem wird von der Parze ein gewiſſes Maß Wein bey der Geburt vor⸗ gemeſſen, das er austrinken muß, ehe er zur ewigen Ruhe eingehen darf, trinkt er's früher aus, ſtirbt er früh, hält er Haus damit, lebt er lang. Eben ſo gibt die Liebe jedem Sterblichen ein gewiſſes Maß Leicht⸗ gläubigkeit auf den Lebensweg mit; wer am meiſten vertraut anfdie Frauen, wird am ſchlimmſten betrogen, und geht, früher der Leichtgläubigkeit los geworden, in den Tempel der Nuhe ein. Doch ihr ſeyd, wie geſagt, auf gutem Wege, und bey der Welte bleibt's.“ Da⸗ mit ſtand er auf und ging, begleitet von ſeinen lärmen⸗ den Freunden. Aſtolph ſtand ſprachlos; die Tücke ſeines Geſchickes, welche das Geheimniß ſeiner Liebe verra— then, an welcher der Makel des Vorurtheils gegen Al⸗ binens Beruf klebte, das Gewicht beleidigter Ehre la⸗ ſtete auf ſeiner Seele. Keines kräftigen Entſchluſſes fä⸗ hig, ein Scheingut zu erhalten, das ihm ſo vieles wahr⸗ hafte Weh bereitete, ging er verſtört nach Hauſe, wo er im trüben Brüten über den Streit des Eingebildeten und des Wirklichen in der Welt, mit dem Gefühle ei⸗ ner ärgerlichen Scheu vor den Menſchen, die mit bey⸗