Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

im Alter für die Selbſtverſuche der Jugend im Forſchen

und Denken, war Polychreſtos die Seele eines gewähl⸗

ten Kreiſes von Männern aus allen Ständen, die Be⸗

lehrung und Erheiterung bey ihm ſuchten. Auch Aſtolph

fand dort Zutritt, und je mehr er den Vater bewun⸗ derte und die Tochter in der Entfaltung prunkloſer aber

anziehender Geſelligkeit immer mehr lieb gewann, um

ſo weniger konnte er ſich's erklären, wie jener den ge⸗

fährlichen Beruf der Schauſpielerinn für Albinen ge⸗

wählt haben konnte. Es lag in Polychreſtos Plane, der

Unerfahrenen die Täuſchung zu erſparen, und die Fehl⸗

tritte, welche zur Enttäuſchung führen, darum öffne⸗

te er ihr die Welt, wie ſie war, und ſein Haus der

Welt, damit ſie von dieſer nicht mehrerwarte, als ſie

gewähren kann, das Alltägliche. Die Ideale Albinens

ſollten einzig der Kunſt angehören. Aber ſchon hatte ſie

in die Nebel des Wahns, aus dem Reiche der Kunſt

in das Leben gegriffen, und Aſtolphs Bild war es,

wornach ſie haſchte. Die Kunſt lieh ihr Flügel, es recht

hoch empor zu tragen, und ſie verlor die Welt, wie ſie

iſt, aus dem Geſichte. In ruhigen Augenblicken ahnte ſie wohl, daß ſie tief ſtürzen könne von ſo gewagter Höhe, aber ihr Vertrauen an eine unſichtbare gütige Macht, welche das gläubige Herz nicht ſinken läßt, war ſonder Grenzen. Aſtolph vermißte in Polychreſtos Hauſe