Teil eines Werkes 
2 (1825) Nachtfalter / von Franz Maria Nell
Entstehung
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19 ner Nachbarn verdroß, er bemerkte nicht, daß er ſich als Alleinherr jener Reitze träumte, die Allen zu dienen beſtimmt waren. Jetzt aber, als Albina die leichtſinni⸗ gen Worte der Schäferinn Corisca:

So blöd' und arm werd' ich doch nimmer ſeyn Mich einem Einz'gen liebend nur zu weih'n,

jetzt, als ſie dieſe und die folgenden Worte, welche den Triumph weiblicher Eitelkeit in klugberechneter Thei⸗ lung des Herzens ſchildern, mit ſo lebendiger Laune ſprach, daß der allgemeine ſtürmiſche Beyfall der Män⸗ ner ſich in der That in ihr Herz getheilt zu haben ſchien, jetzt ſtieß der leichtbewegte Rachen der ewig und auch im Mannekindiſch bleibenden Liebe bey Aſtolph an die Klippe, die allen ſeinen früheren Herzensverhältniſſen den Untergang gebracht hatte. Den Eiferſüchtigen fielen die Schuppen vom Auge.Albinens Beruf, dachte er bey ſich ſelbſt,ſucht die Gunſt der Menge, und das beſtän⸗ dig und dauernd, verwegen ſpielt ſie und täuſchend mit dem Truge, zum fürchterlichen Ernſte kann dieſe Gewohnheit führen. Wie erwacht aus einem wirren Traume, ſah er dem Ausgange des Stückes, ſich ſelbſt gezwungen belächelnd, mit erkünſtelter Ruhe zu, aber er war in die Reihe der Spielenden getreten, ſeine Ruhe war Kunſt, und ſein Spiel fand eine aufmerk⸗ ſame Betrachterinn von den Bretern herab in Albinen.