15 lenhaſten Träume ſchienen ſchon verweht vom Hauche der Zeit, aber jetzt lebten ſie wunderbar in Aſtolph wieder auf. Die Natur ſchien Wort gehalten zu ha⸗ ben; er entdeckte eben eine ihn halb ängſtigende, halb erfreuende Aehnlichkeit in den Zügen ſeiner Nachbarinn mit denen jenes Wunderkindes, als der Herr des Hau⸗ ſes ihm ein„Lebe“ mit dem Prunkbecher brachte. Die Pflicht der Erwiederung, der Zuruf der andern Gäſte weckte ihn aus ſeinen Träumereyen. Als die vorige Stille zurückgekehrt war, bemerkte Aſtolph, daß ſeine Nachbarinn ihr Glas bereit hielt zum Anſtoßen; ſo be⸗ fremdend ihm dieß erſchien, ſah er doch nur einen neuen Beleg für die Wahrheit ſeiner erſten Vermu⸗ thung darin. Gewohnt, bey jedem Anlaſſe in der Au⸗ ßenwelt ſeine innere Welt raſch zu durchfliegen, deutete er den freundlichen Toaſt des lieblichen Mädchens, ob⸗ ſchon er ſcherzend mit Waſſer gebracht wurde, als ein glückliches Vorzeichen für die Wahl ſeines Vaters, wel⸗ che die ſeine geworden. Er ſtieß an den Becher des Fräuleins, und ehe er trank, ſprach er leiſe:„Es lebe meine Braut!“ Das Mädchen ſchlug die Augen nieder⸗ und ſprach nicht weiter mit Aſtolph, der jetzt erſt be⸗ merkte, daß ihn die ſchwarzen Augen einer blaſſen jun⸗
gen Dame, die ihm gegenüber ſaß, unbeweglich be⸗ trachteten.


