—————
12
mehrte, bemächtigte er ſich des wenig erfahrenen Her⸗ zens ſeines Sohnes; der Planvolle hatte auch für die Liebe Aſtolphs einen Plan erſonnen, der ſeiner Sucht nach Hoheit ſchmeichelte.
An ſeinem fünf und zwanzigſten Geburtstage erhielt Aſtolph von ſeinem Vater die Einladung, ihn nach dem Landſitze Pedro's von Seradilla, eines reichen Gran⸗ den, zu begleiten, wo ein ländliches Feſt gefeyert wer⸗ den ſollte. Beym Eintritte in den Vorſaal des Land⸗ hauſes ſiel ihm Don Enrique unter Thränen um den Hals, und ſprach:„Mein Sohn! du wirſt heute die Braut erblicken, die ich für dich gewählt habe; der Him⸗ mel gebe, daß meine Wahl die deinige werde.“— Aſtolph erſtaunt, wollte ſprechen, doch ein Diener öff⸗ nete ſchon die Thüre des Geſellſchaftszimmers, wo die Gäſte bereits verſammelt waren.
ueberraſcht von der Eröffnung ſeines Vaters, war Aſtolph, als er der Familie Seradilla vorgeſtellt wurde, zerſtreut und einſylbig. Er überhörte die Nahmen, wel⸗ che genannt wurden, ſeine Blicke, ſeine Seele ſuchte ängſtig erwartend die für ihn gewählte Braut. Unter den vielen Frauen, welche das Feſt in Seradilla's Villa verſammelt hatte, fiel ſein Auge auf ein junges Frauen⸗
zimmer, das mit dem Herrn des Hauſes in, wie es ſchien, ſcherzhafter Zwieſprache am Fenſter ſtand. Ein


