Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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densarten zu hören, was dem jugendlichen Theil der Ge⸗ ſellſchaft ein beſonderes Vergnügen war.

Kadden hatte ſeinen Platz neben der Frau Generalin, Emiliens Mutter, erhalten. Der General war ſchon ſeit mehreren Jahren todt, und ſie lebte ganz zurückgezogen ein ſtilles Wittwenleben. Es machte ihr heute große Freude, von ihrem ſeligen Manne zu ſprechen, und von der Zeit, wo ſie an ſeiner Seite lebte. Kadden war ja auch nicht nur ein Streiter im weltlichen Waffenrocke, er war ein Streiter des Herrn. Kadden ſprach gern mit der liebens⸗ würdigen, geſcheiten Frau, und ein Hauptthema ihrer Unter⸗ haltung war: die Geſelligkeit aus Rückſichten, aus Schwä⸗ che und Menſchenfurcht, und die als Pflichterfüllung gegen die Stellung, die der Herr Gott ſeinen Kindern oft mitten in der Welt anweiſt, und wie es ſo wunder⸗ bar iſt, daß die Welt augenblicklich ahnet und weiß, wie Jemand ihr gegenüber ſteht. Ueber Kadden wunderte ſich Niemand, daß er weder Spielkränzchen, noch Theater, Con⸗ zerte und Bälle beſuchte; wenn er aber bei wirklich noth⸗ wendigen Gelegenheiten allein oder mit ſeiner Frau dort erſchien, wußte ein Jeder, warum er kam. Ja, die wohl⸗ meinenden und verſtändigen von ſeinen Kameraden ſchätzten und achteten ihn gerade wegen ſeiner Offenheit und Ent⸗ ſchiedenheit, ſie waren auch gern in ſeinem Hauſe, wenn der Spieltiſch hier gleich nicht zur Unterhaltung diente und zuweilen ein ernſtes Geſpräch unvermeidlich war. Wenn beim gemeinſchaftlichen Muſiziren Eliſabeth es nicht laſſen