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mein liebes Kind biſt. Er dankte ihr, glücklich wie ein Kind, ſie war ja längſt ſein liebes Mutterherz. Der Groß⸗ vater begrüßte ihn auch wie einen lieben Sohn, und nannte ihn zum erſtenmal Du. Kadden ſagte, daß er ſie gleich ſo lieb gehabt, als er ſie zum erſtenmal geſehen, und wohl geahnet habe, daß er, ein armer Menſch ohne Heimath, bei ihnen Heimath und Frieden finden würde. Eliſabeth aber— ſie war zu glücklich, ſie konnte nichts weiter ſagen als wie vor 25 Jahren: Ich habe Euch zu lieb!
Schlöſſer hielt die kirchliche Feier, und was er ſagte, konnten ſich alle verheiratheten Leute noch einmal zu Her⸗ zen nehmen.— Darauf nahmen verſchiedene Feſttafeln die Gäſte auf. Onkel Karls Abſicht war unverkennbar, es ſollte heute ſehr hoch hergehen, und ſo gut es ſich thun Ff ließ, war er ein aufmerkſamer Wirth. Den alten Friedrich hatte er auch in eine neue Livree geſteckt, damit er das Feſt würdig mitfeiern konnte. Er war in den letzten Jahren zu Onkel Karls Kammerdiener und beſtändigem Geſell⸗ ſchafter avaneirt, was ihm auch nicht ſchwer wurde, weil ſeine alten Schimmel geſtorben waren und er ſich mit den neuen Pferden, die jung und ſchnell waren und eigentlich„ meiſtens von dem Herrn Landrath benutzt wurden, nicht mehr befreunden wollte. Heute war er der Hauptdiener
an der Hochzeitstafel, und da er ſich des Onkels Taubheit wegen eine ſehr laute Stimme angewöhnt hatte, war er überall mit ſeinen ebenſo bedächtigen als höflichen Re⸗


