Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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zen Feſtanzug, mit grauem Kopf und krummem Rücken. Er war nur zwei Jahr älter als der Großpapa und 78 Jahr alt, er ſah aber weit älter aus als der rüſtige Jubelbräutigam. Sein Gehör hatte er faſt ganz verloren, aber ſeine Wirthſchaft beſorgte er ſo gut es ging. Sein älteſter Neffe Wilhelm war ja wirklich Landrath in Wolt⸗ heim geworden und ſtand ihm helfend zur Seite. Die Großmama führte ihn jetzt zu den neuen Bildern, er war ebenſo überraſcht. Unſer Liebling! ſagte er. Die Groß⸗ mama nickte. Wiſſen Sie, Frau Schwägerin, vor 25 Jahren? Sie iſt immer noch ein liebes Kind, rief ſie ihm freundlich in die tauben Ohren. Und wie ſie damals Tiſche und Stühle in Liebe umarmte, wandte ſie ſich zu ihrem Mann, ſo hat ſie jetzt den Herrn umfaßt. Nun ja, und das Großmutterherz iſt ohne Sorgen, fügte er hinzu.

Als ſie jetzt beide durch das Fenſter ſchauten, ſahen ſie den Liebling an der Seite ihres Mannes durch den Garten kommen. Eliſabeth war ſchon früh mit ihren Gäſten und Kindern gekommen, ihr Mann hatte nicht ſo früh Zeit, er war ſpäter nachgeritten, und wie ſo oft, das Pferd am Zügel, ging er neben Eliſabeth den Weg am großen Ahorn her. Sie ſahen die Großeltern am Fenſter ſtehen, Kadden gab ſein Pferd ab und eilte mit Eliſabeth, das liebe, theure, alte Paar zu begrüßen. Die Groß⸗ mama küßte ihn. Du biſt mein lieber Otto, ſagte ſie, und ſollſt mich auch von jetzt an Du nennen, weil Du