Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Bräutigam war damit einverſtanden, ſie ſtanden ja beide ſelig harrend an der Himmelsthür.

Als ſie zurückkehrten, war das ganze Haus in Be⸗ wegung. Alle Kinder, groß und klein, wurden zuſammen gerufen, man mußte ſich anziehen, um in die Kirche zu gehen. Die Frau Oberförſterin ſpielte heute die geſchäf⸗ tige Brautmutter, ſie nahm die goldene Braut im Empfang, um ihr beim Anziehen behülflich zu ſein, und darauf ver⸗ ſchwanden alle in ihren Zimmern, und es ward ganz ru⸗ hig im Hauſe.

Der Bräutigam ſtand bald darauf im ſtillen Wohn⸗ zimmer ganz allein, er war im feſtlichen Anzug und hatte den goldenen Myrthenſtrauß vor der Bruſt. Er ſtand ge⸗ dankenvoll am Fenſter und gedachte der Zeit von damals, wo er ſo glücklich und erwartungsvoll harrte auf ſeine jugendliche Braut. War denn dies Sehnen, dieſe Er⸗ wartung erfüllt? Ja, und ſo ſelig erfüllt. Er hatte ſich eben recht vertieft in der Erinnerung ihres blühenden Jugendbildes, als die Nebenthür leiſe aufging und ſie ſelbſt eintrat. Ihre feine, hübſche Geſtalt war dieſelbe, ſie trug ſich leicht und gerade, ſie hatte ihr weißes Brautkleid an, aber ein reiches, weißes Seidentuch und der Schmuck von ſchönen Spitzen verhüllte es faſt. Auf dem Kopfe ruhte eine kleine weiße Haube und der goldene Kranz. Er ſchaute ſie an, ſeine liebe Braut, ein liebes, treues Müt⸗ terlein, mit der klaren Stirn und denſelben großen, kind⸗ lichen Augen und den lichten Zügen. Thränen traten in