Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Paradies, Paradies,

Wie iſt deine Frucht ſo ſüß!

Unter deinen Lebensbäumen

Wird uns ſein, als ob wir träumen:

Bring uns, Herr, in's Paradies! Der folgende Tag war ein Maientag, wie der 12. Mai im Jahre 1805, der Himmel war beſonders ſtrah⸗ lend, der junge Wald duftend, die Blüthen ſilberweiß, die Aurikeln glänzend in den farbigen Sammetkleidern, und aus der friſchen thauigen Wieſe ſchauten hundert und tau⸗ ſend bunte helle Aeuglein heraus und ſchimmerten wie lichte Seide und Edelgeſtein. Früh in der Kühle und im Morgenglanze wandelte ein Paar über die Wieſe hin, unter den ſchattigen Rüſtern am Bach entlang, nach den grünen Tannenhöhen. Sie wandelten nicht mit ſo leichten Schritten als vor 50 Jahren, aber rüſtig und feſt genug. Sie ſaßen dort oben auf der Höhe, ſie ſchauten hinab in die liebliche, blühende Welt und hinauf in das klare, frie⸗ densreiche Blau des Himmels, und wenn ſie heute beide nicht ſo geſprächig als vor 50 Jahren waren, ſo waren ſie deſto glücklicher. Ja, lieber Fritz, ſagte die goldene

Braut, wir haben dem Herrn viel zu danken, in welchem Kreiſe dürfen wir den ſchönen Feſttag feiern! Nun möcht

ich aber jede irdiſche Sorge abwerfen, und ſo lieb mir da unten das liebe Geſchwirre von Großen und Kleinen in unſerem Hauſe iſt, ſo werden wir recht gern wieder in Ruhe leben und recht gern bald in Frieden von dort oben hinabſchauen auf Kind und Kindeskind. Der goldene