Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Gebet, und:Gott widerſtehet den Hoffärtigen, aber den

Demüthigen giebt er Gnade. Da ſah ſie plötzlich ihren

Mann neben ſich ſtehen, er ſagte nichts, aber er nahm ihre Hand freundlich, als wollte er ihr das Sprechen erleichtern. Sie verſtand ihn und hörte wieder die Stimme: Gott widerſtehet den Hoffärtigen aber den Demüthigen giebt er Gnade! Ja, Wilhelm, begann ſie mit ſtockender Stimme, der Herr Chriſtus iſt auch für tugendſatte Menſchen ge⸗ kommen und für ſolche, die einen leichten und ſorgloſen Sinn haben; aber er iſt auch für hochmüthige und liebearme Herzen gekommen, ſetzte ſie mit zitternder Stimme hinzu. Ihr Mann ſah ſie bewegt an und von ihrem Herzen war mit dieſem Ausſpruch eine Felſenlaſt.

Die Abend⸗Gäſte waren fort, Schlöſſer und Emilie wollten ſich auch zur Ruhe begeben. Eliſabeth ſagte ihnen gute Nacht und ſchaute dabei mit ſo viel Güte und Freude aus ihren hellen Augen, als ob Emilie ihr nur immer die beſte Freundin geweſen. Emilie hörte wieder die Stimme: Gott widerſtehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade. Sie konnte es nicht laſſen, ſie umarmte Eliſa⸗ beth, ſie weinte an ihrem Halſe und ſagte weinend: Ver⸗ zeihe mir, liebe Eliſabeth, Alles, womit ich Dir weh ge⸗ than, Alles, womit ich Dich gekränkt. Dann wandte ſie ſich zu Kadden und ſagte bittend: Ich weiß nicht, ob Sie mir verzeihen können? Kadden war ſo beſtürzt, daß er erſt nichts entgegnen konnte. Er nahm aber Emiliens Hand und ſagte fteundlich: Wir wollen uns immer beſſer ver⸗