Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

. 3

418

nichts anderes übtig, als uns eben dem Willen des Herrn

5 fügen, der über uns iſt. Wenn ein armer Bettler ei⸗ nem Könige trotzte, ſeine Anordnungen unnöthig und über⸗

flüſſig fände, wenn er fände, daß ſie ſeinen Stolz, ſeine Selbſtändigkeit verletzen, ſo würden wir es für eine Ver⸗ wirrung halten, und doch gehen hunderte und tauſende von Menſchen in dieſer Verwirrung hin. Der Herr Gott hat uns geſchaffen zu ſeinen Kindern, aber nicht gezwungen ſollen wir ihm gehören, er läßt uns die Wahl, aus freier Liebe zu ihm zu kommen, das Böſe zu verwerfen, das Gute zu wählen; das iſt eben ein Kampf, den wir kämpfen müſſen. Indem der Herr nun über uns dies Kommen zu ihm aus freier Liebe beſchloſſen, mußte ſeine Liebe zugleich die Er⸗ löſung beſchließen, weil wir mit eigenen Kräften im Kampfe mit dem Böſen nicht widerſtehen können und den Weg der freien Liebe trotz des beſten Willens nicht zu gehen wiſſen.

Nun ſteht es bei uns, zugleich den Worten der heiligen

Schrift zu glauben, dem Buch, das uns die Gnade und Hülfe der Erlöſung anbietet, oder den Kampf gegen Sünde und Tod mit eigenen Kräften zu verſuchen. Die meiſten Menſchen greifen zum letzteren und gehen darin verloren; ſie fragen: warum bedürfen wir einer Erlöſung? warum

können wir nicht aus eigenen Kräften ſelig werden? die

Antwort: weil es der Rathſchluß des Herrn iſt, iſt ihnen ungereimt. O nein, fiel der Kamerad ihm in die Rede, wir erkennen in dem Herrn Chriſtus wohl einen Erlöſer, wir Chriſten ſtehen über alle den Völkern, die ſeine Lehre

2