Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Beete und nahm noch allerhand Kleinigkeiten vor, bis es endlich Sieben ſchlug.

Das Abendeſſen war bereit, längſt bereit, Eliſabeth wartete vergebens. Als es Acht ſchlug, nahm ſie betrübt, aber auch mit neuer Unzufriedenheit, Hut und Tuch, und ging wieder in den Garten. Sie ging gedankenvoll wei⸗ ter, durch die Gatterthür der niedrigen Hecke, gegenüber auf dem Grasrain an einem blühenden Roggenfeld hinauf. Hier war es ſtill und friedlich, die volle ſommerliche Abend⸗ ſonne legte ihr Gold auf Wald und Feld, einige Lerchen noch ſangen hoch oben in der klaren Luft, und Kornblu⸗ men und rother Mohn und weiße große Sternblumen ſtan⸗ den ſo lieblich im abendlichen Sonnenlicht. Eliſabeth wagte keine Blume zu pflücken. Ihr ſteht hier ſo lieblich, in meiner Hand würdet Ihr nur verblühen, dachte ſie. Ja, ich möchte auch ſo zart und rein ſein, daß ſich alle Herzen über mich freuen könnten. Sie ſchaute auch höher hinauf, in das tiefe klare Blau, was ſo tröſtlich in ihr zagendes Herz hinab ſchaute. Lieber Herr, verzeihe mir! Ja, zu Dir darf ein trauriges Herz immer kommen, Du biſt immer wieder liebreich und freundlich, auf Menſchen und auf das eigene Herz darf man ſich nicht verlaſſen. Mir iſt es heut ſo einſam in der Welt, als noch nie; aber das ſoll es ſein, damit ich erinnert werde, daß ich mich nicht verlaſſe auf Menſchen. Als ſie die Hände faltete, berührte ſie unwillkürlich ihren Trauring. Selbſt Menſchen, die man ſo lieb hat, können ungerecht und