Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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ſich alſo kurz, ihrer Stimmung zu folgen und zu beweiſen, daß ſie eine ſelbſtdenkende Erziehung hatte.

Denſelben Abend, es war ſchon gegen fünf Uhr, Eli⸗ ſabeth ſaß nachdenklich vor ihrem Schreibtiſch, ſie war den ganzen Abend allein, zum erſten Mal in ihrer jungen Ehe. Ihr Mann, weil es ihm natürlich läſtig war, eine ſo ſchweigſame und zartthuende Seele um ſich zu haben, war ausgegangen. Eliſabeth hoffte, er würde ſehr bald wie⸗ derkommen, und nahm ſich vor, dann freundlicher zu ſein. Sie nahm ihr Arbeitszeug und ging in den kleinen Gar⸗ ten, ſie wohnten ſehr freundlich vor dem Thor, an der⸗ ſelben Stadtſeite, wo die Großeltern einſt gewohnt hatten. Sie ſetzte ſich in die Jasminlaube und war fleißig. Sie ging dann in den Wegen auf und ab, blieb vor den ſchönen duftenden Roſen ſtehen, ſchaute auch über die Hecke hinaus, in das weite Feld. Sie wurde immer unruhiger, aber es war gewiß eine Stunde vergangen, ihr Mann war noch nicht zurück. Sie verließ nun den Garten, trat in den Pferdeſtall zu dem ſchönen braunen Thier, der un⸗ ſchuldigen Urſache ihres heutigen Kummers. Sie ſtreichelte und klopfte es und ſah ihm in die klaren hübſchen Au⸗ gen. Du biſt nicht daran Schuld, ſagte ſie, ich bin es ganz allein. Sie kam wieder aus dem Pferdeſtall, ſie brachte ihre kleine weiße Hühnerfamilie zur Ruhe, dann dachte ſie das Abendbrod anzuordnen, um ſieben Uhr mußte er jedenfalls kommen. Sie ging noch einmal ſelbſt in den Garten, zog die friſchen rothen Radieschen ſelbſt aus dem

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