Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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hatte Eliſabeth das ſchwere Amt, ihr zu ſagen, ſie würden für jetzt noch jeder allein für ſich leſen, bis einmal eine rechte Hausordnung erſt eingeführt ſei.

Dieſes Fürſichleſen hatte Eliſabeth bis jetzt nur auf einige Verſe im Ziehkäſtchen beſchränkt, aber gleich den an⸗ deren Morgen, nachdem die Großeltern hei ihr geweſen wa⸗ ren, holte ſie die Bibel auf ihren Schreibtiſch und hatte, weil ſie gern früh auf war, auch gute Zeit, ſich in aller Stille zu ſtärken für den Tag. Als ſie bei ihrem Otto freundlich anfragte, ob er wohl mit ihr leſen möchte, hatte er ebenſo freundlich geantwortet, ſie möchte ihn nur für jetzt allein leſen laſſen, er liebte nicht, es ſo regelmäßig zu thun, er folgte lieber ſeiner Stimmung und ſeinem Be⸗ dürfniß. Ihn wirklich darum zu bitten, fehlte es ihr an Muth und Luſt, und ſie beruhigte ſich damit, daß es ge⸗ wiß ebenſo gut ſei, wenn ein Jeder für ſich läſe. Ihr Mann las nun auch wirklich zuweilen in der ſchönen Bi⸗ bel, beſonders des Sonntag Nachmittags, wenn ſie Mor⸗ gens Beide in der Kirche zuſammen waren, und zwar bei dem gläubigen Prediger, deſſen Predigten Kadden einſt gegen Eliſabeth ſo verachtet hatte. Wenn er nun mit der Bibel in der Hand ſaß, konnte es Eliſabeth einige Mal nicht laſſen, das Mädchen gelegentlich hineinzuſchicken, um ihr zu zeigen, daß ihr Herr, wenn er auch keine Andacht hielt, doch ein gottesfürchtiger Mann ſei. Man konnte auch nicht wiſſen, Tante Julchen konnte vielleicht das Mädchen

ausforſchen, und Eliſabeth wollte ſo gern ſagen können: Ein