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machen und empfangen konnten. Der erſte Beſuch im neuen Hausſtand aber waren die theuren Großeltern, und es war wirklich eine Freude, wie das junge Paar ſich bemühte, es den lieben Gäſten wohl zu machen, und wie dieſe beglückt waren im Glücke der geliebten Kinder. Die Großeltern mußten auch die ganze Wirthſchaft in Augenſchein nehmen und bewundern. Als ſie durch die beſte Stube wanderten, ſah der Großvater auf einer Servante neben anderen Ge⸗ ſchenken die ſchöne Hochzeitsbibel liegen. Er ſtrich unwill⸗ kürlich über die Schaale, aber ſagte nichts. Lieber Groß⸗ vater, entſchuldigte ſich Eliſabeth ſchnell, ich habe wirklich noch nicht ruhige Zeit gehabt zum ordentlichen Leſen, ich habe nur in meinem Ziehkäſtchen geleſen. Der Großvater
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lächelte freundlich, und als nachher beim Abendeſſen ganz
gegen die Gewohnheit der Großeltern ein jeder ſtill für ſich beten mußte, ſagte der Großvater auch nichts.
Die Sache mit dem Tiſchgebet hatte ſich das junge
Paar ernſtlich überlegt. Eliſabeth hätte ſich ja nicht ohne Gebet zu Tiſche ſetzen können, aber obgleich es ihr ſchwer wurde, mußte ſie ihrem Manne recht geben: ihr Umgang war ſo verſchieden, die meiſten Leute darunter waren nicht gewohnt bei Tiſche zu beten, es würde nur verlegene Sce⸗ nen geben,— es war gewiß beſſer, daß nur ein ſtilles
Tiſchgebet eingeführt wurde. Eliſabeth tröſtete ſich, ſie
wollte deſto herzlicher für ſich beten. Auch als das brave Dienſtmädchen gleich am erſten Morgen, weil ſie es ſo bei Oberförſters gewohnt war, nach der Morgenandacht fragte,
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