Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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19. Keine Flitterwochenliebe.

Das ſchöne Hochzeitsfeſt war nun glücklich vorüber. Die Gäſte waren alle nach ihrer Heimath zurückgekehrt, die alten Leute in dem altem Hauſe erholten ſich wieder von der Unruhe, während Eliſabeth mit höchſtem Eifer ſich in ihre Wirthſchaft vertiefte. Als am erſten Nachmittag ihr Gemahl ſie aufforderte, mit ihm ſpazieren zu gehen, ſah ſie ihn bedenklich an. Ich weiß doch nicht, ob ich Zeit habe, ſagte ſie. Zeit? fragte er verwundert. Den ganzen Morgen habe ich gekocht, erklärte ſie, es iſt keine Kleinigkeit, ein Mädchen anzulernen; zum Auspacken bin ich nicht gekommen, und ehe ich nicht mit einer großen Kiſte wenigſtens fertig bin, habe ich nicht Ruhe zum Spatzierengehen. Der Gemahl lachte: Jetzt Eliſabeth paß auf, jetzt zanken wir uns, und Du mußt gleich im Vor⸗ aus bekennen, daß Du Unrecht haſt, Du mußt doch Zeit zum Spatzierengehen für mich haben. Sie ſah ihn einige Augenblicke nachdenklich an und ſagte dann entſchloſſen: Ja, ich gehe mit Dir ſpatzieren. Möchteſt Du wirklich lieber dieſe Erbſen und Bohnen auspacken, als mit mir gehen? fragte er ſcherzend. Rein, ich gehe lieber mit Dir ſpatzieren, verſicherte ſie aufrichtig.

Die erſten Wochen waren vergangen, und der Haus⸗ ſtand ſo weit geordnet, daß die jungen Leute Viſiten

Eliſabeth. I. 1

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