319
Klugheit, und der junge Mann liebte die Großmama mit einer kindlichen Hingabe, die ihn ſelbſt glücklich machte. Wie gern hörte er jetzt ihre lieben Worte und ihre ſchö⸗ nen Segeswünſche, die unumwunden den Herrn Chriſtus als einzigen Heilsweg prieſen. Ihr habt zwar eine beſſere Traurede zu erwarten, als damals ich und mein lieber Fritz, ſchloß ſie, aber die Minuten vor der Trauung, wo wir ſo allein uns ſammeln konnten, waren doch gar zu ſchön, die ſollt Ihr auch haben und ſollt auch mein ſchö⸗ nes Hochzeitlied zuſammen leſen.
Sie verließ mit Eliſen das Zimmer, und das Braut⸗ paar ſtand allein am Fenſter. Er hatte das Blatt und las das Lied, Eliſabeth kannte es und ſah nicht hinein, ſie las in ſeinen Zügen und las in ſeinen Augen, und lehnte ſich an ihn, ſo ganz vertrauend ſeiner Liebe und Güte und ſeinem Schutze, als ob nun für ſie hier in der Welt nichts mehr zu fürchten ſei.— Er hatte geleſen:
Wohl einem Haus, wo Jeſus Chriſt Allein das All in Allem iſt!
Ja, wenn er nicht darinnen wär: Wie finſter wär's, wie arm und leer!
Das konnte er noch nicht recht faſſen, aber ſein Herz war weich und von Dank und Glück erfüllt; daß er überhaupt nur einen Hausſtand anfangen ſollte, bewegte ihn ſchon. Dem Herrn, der ihn aus ſeinem einſamen öden Leben in dieſe Fülle von Liebe und Freude geführt, dem ſollte ſein Leben gewiß gehören, daß verſtand ſich ebenſo ſehr von ſelbſt als ſein Glück, was ſo reich und weit vor


