Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

315

und komiſch und feierlich, wie es der Gegenſtand verlangte. Aber auch uneingeladene Gäſte waren, wie wohl zu er⸗ warten war, gekommen. Zu ihnen gehörte Herr von Stot⸗ tenheim mit ſeinen jüngeren Kameraden, und Eliſabeth, die Königin des Feſtes, nahm die Huldigungen, die ihr von allen Seiten, den glücklichen Bräutigam an der Spitze gebracht wurden, mit unverholenem Entzücken entgegen.

Am Hochzeitsmorgen war es unruhig im Haus, und Eliſabeth ſchlich ſich hinaus in den ſtillen Garten und ging in der ſonnigen Kirſchenallee hinauf, den lieben be⸗ kannten Weg. Sehr bald ſah ſie den Erwarteten daher⸗ kommen, und ebenſo bald ſah ſie ihn vor ſich. Er ſchwang ſich wie gewöhnlich gleich vom Pferde und begrüßte ſie: Zum letzten Mal biſt Du mir ſo entgegen gekommen, ſagte er bewegt, jetzt ſollen wir nie, nie wieder getrennt ſein! Sie ſah ihn mit ihren großen Augen ſo wunderlieblich und vertrauend an, daß er wieder dachte: Du willſt ſie wie dein Herzblatt bewahren.

Er übergab jetzt dem nachfolgenden Burſchen ſein Pferd, Eliſabeth hatte ihm vorgeſchlagen, da es im Hauſe ſo unruhig ſei, noch einen Spatziergang zu machen. Beide gingen denſelben Weg, den die Großeltern an ihrem Hoch⸗ zeitsmorgen wählten. Oben auf den Tannenbergen ſaßen ſie im ſtillen Frühlingsſonnenſchein und ſchauten hinab auf die Thürme von Braunhauſen. Sie unterhielten ſich nicht ſo ernſthaft, als damals ihre Vorgänger; ſie waren ja zu ſehr überzeugt, daß es nur ihrer Liebe bedürfe zu ihrem