—
309
rufen, überall Feuer anzuzünden, ich ſehe in ihr ſchon das Ideal einer Pfarrersfrau.— Ich auch, unterbrach ſie Schlöſſer, eine ſtille, demüthige Pfarrersfrau, die weder Vorſteherin von Jungfrauen⸗Vereinen noch Kinderſchulen noch Suppenanſtalten iſt.
Emiliens Lippen zitterten, aber ſie ſchwieg. Heute
nach der ungewöhnlichen Anſtrengung in Werken der Liebe
hatte ſie wirklich Anerkennung erwartet von dem Bräuti⸗ gam, er war entſetzlich rückſichtslos.
Aber liebſter Schlöſſer, fragte Frau von Warmholz, iſt es denn nicht ein großes Verdienſt, ſoche Dinge in das Leben zu rufen? Und Emilie thut es mit ſo großer Freu⸗ digkeit.— Ich könnte auch ohne dieſe Thätigkeit nicht leben, ſagte Emilie eifrig, alles andere in der Welt kömmt mir ſo nichtig vor.— Daß Du ohne dieſe Dinge nicht meinſt leben zu können, ſollte Dich aufmerkſam machen, ob es Dir gut iſt, ſagte der Bräutigam. Das Amt der ſtillen, ein⸗ fältigen Pfarrersfrau iſt jedenfalls ſchwerer, als das einer bewunderten Gründerin von ſchönen Vereinen.— Einfältige Leute giebt es ja genug in der Welt! fuhr Emilie heraus.
Sie war gereizt und hatte es nicht ſo ſchlimm ge⸗ meint, aber allen Zuhörern ging plötzlich ein Licht auf von Schlöſſers eigentlicher Meinung. Für Emilien war dieſe Thätigkeit kein Opfer, es war bei aller Aufrichtig⸗ keit, mit der ſie dem Herrn dienen wollte, zugleich die ſchönſte Nahrung ihrer Lieblingsſünden.
Schlöſſer ſelbſt blieb auch nach Emiliens Aeußerung


