17. Der letzte Winter in Berlin.
Die Wochen bis Weihnachten waren endlich vergangen, der Bräutigam reiſte nach Berlin und blieb dort bis nach Neujahr. Die Tage waren wunderſchön und die ganze Kühneman'ſche Familie gewann den geliebten Otto ihrer Eliſabeth immer lieber. Eliſe bemerkte mit Freude, daß er Eliſabeth gegenüber doch eine Art Uebergewicht gewon⸗ nen, bei den kleinen Neckereien und Streitigkeiten, die zwi⸗ ſchen beiden vorkamen, blieb er vernünftig und beſonnen, ſo daß auch Eliſabety viel ſchneller vernünftig und liebens⸗ würdig wurde. Wie viel die bedenklichen Scenen im Herbſt zu dieſem Fortſchritt beigetragen, machte ſich das Brautpaar ſelbſt nicht klar. Wenn er ihr oft genug erlaubte, zu Emiliens förmlichem Entſetzen, die Königin zu ſpielen und äußerſt anſpruchsvoll zu ſein, ſo bedurfte es doch nur eines gewiſſen, ſchnellen, fragenden Blickes, um ſie vorſichtig zu machen. Wenn ſie dann ſchnell nachgab, und er wieder derſelbe aufmerkſame Bräutigam war, merkte außer einer einzigen Perſon Niemand anders, daß er nur den geringſten Antheil an ihrer Fügſamkeit hatte.
Dieſe eine Perſon war Schlöſſer, und ſeltſam war es, daß die beiden ſo verſchiedenen Männer ſich zu einander hingezogen fühlten, ſie wußten es mit ihrer Freundſchaft nur noch nicht recht anzufangen, aber bei allen Gelegen⸗ heiten zeigten ſie ſchnelles Verſtändniß. Dagegen aber war


