Buße that es ſeiner Seele wohl, dieſes Lied ſich einzuprä⸗ gen, und er legte das Geſangbuch bei Seite mit dem feſten Entſchluß, ſich morgen ein eigenes holen zu laſſen. Eliſabeth war wieder in Berlin, und Herr von Kadden ruhig in Braunhauſen. Das eintretende ſtürmiſche, naſſe Wetter nöthigte beide ein ſehr einförmiges Leben zu führen. Er mußte ſich mit dem Kreiſe begnügen, den er hatte lang⸗ weilig finden lernen. Nach Woltheim konnte er wegen des ſchlechten Wetters und Weges ſelten, und nach Berlin zu kommen hatte er vor Weihnachten nur einmal Erlaubniß. Es machte ſich ganz von ſelbſt, daß er den Umgang, den er im Sommer vernachläſſigt hatte, wieder anknüpfte. Des Wittags aß er mit ſeinen unverheiratheten Kameraden zu⸗ ſammen und hörte die gewöhnliche Unterhaltung von Ge⸗ ſellſchaften, von jungen Damen, von Anvancements in den verſchiedenen Regimentern und von Pferden und Hunden und Jagden wie gewöhnlich mit an. Nach Tiſch kam Herr von Stottenheim oft ſtundenlang und unterhielt ihn mit vielen gutmüthigen Worten ohne großen Inhalt, oder ſeine jüngeren Kameraden kamen auf ſein Zimmer und waren übermüthig hier. Sein Zimmer war, ſo lange er in Braun⸗ hauſen war, der Verſammlungsort; wenn er auch ſolide war, ſo war er doch generös. Es verging faſt kein Tag, daß der Burſche nicht Tiſchzeug aus dem alten Erbkoffer holen und irgend etwas auftiſchen mußte. Außer dieſer Privat⸗Geſelligkeit beſuchte er auch wieder einige verhei⸗ rathete Kameraden und wurde beſonders von der Bonſakſchen
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


