edeler Mann, wie Schade, daß er nicht glücklich ſein will! Die Menſchen ſind ſo verſchieden, entgegnete Fritz. Nur in dem einen ſind ſie gleich, ſie ſuchen alle ihr Glück, ſagte Frau von Lindeman wieder und, lieber Herr von Budmar, fügte ſie aufrichtig hinzu, ich wünſche von Herzen, daß Sie es finden mögen. Fritz drückte ihr die Hand und entfernte ſich. Charlottchen ſah ihm mit feuchten Augen nach.
O du arme junge Seele, dachte ſein theilnehmendes Herz, ich kann dir freilich nicht helfen, aber du hätteſt ein
beſſeres Schickſal verdient, als einſam und ſehnend durch
das Leben zu ziehen, zwanzig Jahre erſt zurückgelegt, fünf⸗ zig vielleicht haſt du noch vor dir. Fünfzig ſchöne Früh⸗ linge und Sommer mit goldenem Mondenſchein und Nach⸗ tigallenſang, fünfzig lange Winter, die lang in der Einſamkeit und ſchnell im vertraulichen Kreiſe vergehen. Vergehen, ja vergehen, und wenn das Leben vorüber, was folgt dann? Von Charlottchen und ihrem jungen Herzen kam er mit ſeinen Gedanken auf ſein eigenes Leben. Vier und zwan⸗ zig Jahre liegen hinter dir, funßzig Jahre auch vielleicht noch vor dir, was wird dir das lange Leben bringen? wird es heißen: wenn es köſtlich geweſen, iſt es Mühe und Ar⸗ beit geweſen? Die Hoffnungen ſind dann vielleicht verblühet, die Thatkraft verſchwunden, der Reiz des Lebens abgeſtumpft, ja was folgt dann? Ueber dieſe Frage hinaus konnte der Frager nicht kommen. Es war ein vortreflicher junger Mann, ein edler Mann, doch iſt das Alles nicht genug, es kann eine Zeitlang wohl befriedigen, es kann Umgebungen


