Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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zialſtadt gelegen, ſchon ſeit Jahrhunderten der Patrizier⸗ Familie von Budmar zu eigen war. Das Gut war ſehr unbedeutend, und obgleich in der Familie Budmar adelige Sitte und Bildung herrſchte, ſo durfte ſie doch äußeren Aufwand kaum mehr machen als die reichen Ackerbürger des Städtchens. Seit den letzten zehn Jahren war das Budmarſche Haus ganz und gar vereinſamt, die Mutter, eine vortreffliche, liebenswürdige Frau, war geſtorben, der Vater lag fortwährend krank, Karl, der als älteſter Sohn die Leitung des Gutes übernommen, vertiefte ſich in land⸗ wirthſchaftliche Studien und überließ ſich dabei ungeſtört ſeinen Eigenthümlichkeiten, die ihn mehr zur Arbeit und Abgeſchloſſenheit als zum Vergnügen und zum Verkehr mit Menſchen zogen. Der jüngere Sohn Fritz war Kuiraſſier⸗ Offizier in Braunhauſen, der benachbarten Garniſon, und eine weit jüngere Schweſter wurde von einer Tante in Schleſien erzogen. Daß man nach dem Tode des alten Herrn dem jungen Herrn Karl eine Frau wünſchte, war ganz natürlich, er ſelbſt fand das. Der Verkehr mit der alten Wirthſchafterin und die Aufſicht über Bettkiſten und Wäſchſchränke war ihm ärgerlich, eine Frau ſollte ihn von dieſen Unbequemlichkeiten befreien. Ebenſo leicht als ihm der Entſchluß zum Heirathen wurde, wurde ihm auch die Wahl. Ganz nahe dem Gute, ebenfalls vor dem Thore, wohnte Frau von Lindeman mit ihrer Tochter Charlott⸗ chen. Charlottchen war ein verſtändiges und anſpruchs⸗ loſes Mädchen und ihre Mutter eine ſehr geſcheite Frau.