Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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das nicht ein, weil Du eben ein Egoiſt biſt, entgegnete Fritz, obgleich Du mit dem guten Charlottchen gar keine Prüfungen zu fürchten hätteſt. Ich muß Dir geſtehen, Charlottchen wäre mir zu gütig, zu nachgebend, ſie macht zu wenig Anſprüche; wenn ich mir eine zartbeſaitete Seele erwähle, muß ſie etwas lebhafter und ſelbſtändiger ſein und mir die Prüfungsſchule nicht gar zu leicht ma⸗ chen. Karl ſah den Bruder wieder verwundert an, dies war ihm völlig unverſtändlich, er verlangte aber auch kein Verſtändniß, er verlangte jetzt etwas anderes.

Beide Brüder ſaßen zuſammen im Sofa, überlegten reiflich, und Fritz überzeugte ſich, daß Charlottchen von der Stimmung ihres unglücklichen Bräutigams wenigſtens hö⸗ ren müſſe; er zweifelte aber auch nicht, daß ſie ihn in ihrer großen Herzensgüte gleich freilaſſen würde. Freilich wurde das arme Mädchen in den Erwartungen ihrer Zu⸗ kunft ſehr getäuſcht. Sie lebte mit ihrer Mutter, einer armen Offizierswittwe, in ziemlich dürftigen Umſtänden, und die Ausſicht, Frau von Budmar zu werden, war zwar eine ſehr beſcheidene, aber war doch immer eine Ausſicht. Dagegen konnte Fritz den Bruder bei der Verlobung auch nicht des Leichtſinns beſchuldigen, ja es war dieſem ſelbſt die größte Ueberraſchung, den Bräutigamsſtand von einer ſo ſonderbaren Seite kennen zu lernen.

Der alte Herr von Budmar war vor einem Jahre geſtorben, der älteſte Sohn, Karl, erbte das Gut, welches an der Stadtmauer von Woltheim, einer kleinen Provin⸗