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lauter Stimme,„ihr hättet beinahe eine Sterbende ge⸗ tödtet.“
Die Angreifer fuhren zurück, erſchreckt durch dieſe Erſcheinung.
„Mein Kind,“ fuhr der Abbs zu Adelinen gewendet, und nach dem Haufen zeigend, fort,„Gott hat geboten, Beleidigungen zu vergeſſen, verzeihe dieſen Unglücklichen, wie ich ſelbſt Dich ſegne“
Und während das junge Mädchen ſich zur Erde niederwarf, wie um Gnade für ſeine Feinde zu erflehen, legte der Prieſter die Hände ihr auf die Stirne.
Eine tiefe Stille war eingetreten, und viele von denen, welche ſich am wüthendſten gezeigt hatten, fielen auf die Kniee. Darauf öffnete ſich plötzlich das untere Fenſter und der Holzſchuhmacher ſtieg heraus und ſprang eben auf die Straße. Protat war ſchrecklich und ſchwang über ſeinem Haupte eine Schlächterkeule, womit er ſich bewaffnet hatte. Ein hundertfacher Schreckensſchrei er⸗ folgte bei dieſer Erſcheinung.
„Schreit!“ rief Protat,„ſchreit, aber ich werde einen tödten, ich hab es geſagt.“
Und in demſelben Angenblick, da er den erſten Angreifer, der ihm in die Hand gefallen war, am Kragen vackte, fühlte er ſeinen Arm von einer ſtarken Fauſt zu⸗ rückgehalten.
„Nicht vor mir,“ ſagte ihm eine Stimme.
„Herr Lazare,“ rief der Holzſchuhmacher,„gehen Sie weg! Ich habe ein Unglück in meiner Hand, es könnte auf Sie fallen. Ich bin Vater, ich muß meine Tochter rächen!“
„Ein Gatte,“ ſagte Lazare,„iſt der erſte Beſchützer ſeiner Frau.“
Während dieſes Zwiegeſprächs war der Bauer, den Protat bedrohte, entſchlüpft und die Straße leer gewor⸗ den. Als er den Holzſchnhmacher erſcheinen ſah, hatte


