268
Zeit dankte, als Lazare ſie mit einem Blick um Ver⸗ zeihung für die Rolle bat, die er von ihrer Gefällig⸗ keit verlangt hatte. Dieſer ſtumme, raſche Austauſch von Gedanken wurde durch einen ſchrecklichen Schrei, den Adeline ausſtieß, unterbrochen. Die Veranlaſſung war folgende: Mit andern Gedanken beſchäftigt, hatte die Tochter des Holzſchuhmachers eben nur ſo viel wahrgenommen, daß Lazare das Verſprechen, das er ihr beim Abgang in den Wald gegeben, nicht gehalten hatte. Wirklich war es ihm, ungeachtet er ſeinen Sack, um ſich an die Arbeit zu begeben, aufgeſchnallt hatte, nicht eingefallen, ſeine großen Kamaſchen anzulegen. In derſelben Sekunde, da ſie ſich von dieſer Vergeſſen⸗ heit überzeugte, erblickte Adeline auf dem Sande des Fußpfades, zwei Schritte von Lazare und in der Rich⸗ tung, der fle folgte, etwas Schwarzes, das daher kroch. „Ah! Lazare, ziehen Sie ſich ſchnell zurück— eine Viper!“ Lazare, durch dieſen Schrei erſchreckt und nicht wiſſend, von welcher Seite das Reptil herkomme, bewegte ſich im Gegentheil nach demſelben zu; aber in dieſem Augenblick trat Adeline, ſchneller als er, mit ihrem Fuß auf das Thier, ehe er den ſeinigen darauf ſetzen konnte. Plötzlich ſah Cecile ſie erblaſſen und mit der Hand nach der Bruſt fahren, als wollte ſie einen Schmerzensſchrei zurückhalten. Sie hatte das Thier auf den Schwanz getreten, und dieſes ſich mit dem Kopf umgedreht, den obern Theil ſeines Körpers dem Mädchen um den Fuß geſchlungen, das ſich nun leicht gebiſſen fühlte. Ein doppelter Schreckenslaut entfuhr ſogleich Cecile's und Lazare's Munde. Dieſer hatte ſich raſch niedergebückt, die Schlange mitten am Körper gefaßt und ihr, ehe ſie ihn ſelbſt beißen konnte, mit dem Stiefel den Kopf zertreten. „Mein Gott! mein Gott! was anfangen? Armes Kind!“ rief Cecile, mit einem Blick auf Adeline, welche der Schrecken unbeweglich machte.


