ℳ
—
258
Lazare grüßte raſch ſeinen Collegen und ſetzte ſei⸗ nen Marſch fort. Als er in die nahe Schlucht hinab⸗ ſtieg, erblickte er einen andern Maler, der mit einer Hippe die niedrigen Schößlinge einer großen, quer auf dem Wege ſtehenden Eiche ausputzte. In demſelben Augenblick vernahm Lazare ein Krachen in dem Glie⸗ derbau des Baumes, und ein vom Stamm getrennter Aſt fiel geräuſchvoll auf den Boden.
„Iſt's genug ſo?“ rief der Maler mit der Hippe, ſich nach der Seite wendend, wo einer ſeiner Collegen, die Hand über die Augen gelegt, aus der Ferne die durch jenen Hieb hervorgebrachte Wirkung zu prüfen ſchien.—„Es iſt genug,“ rief dieſer.
Lazare fragte unbefangen nach der Urſache dieſer
Verſtümmlung, deren Beweggrund er nicht begriff.—
„Die Eiche hier iſt von ſehr ſchönem Styl, wie Sie ſehen können,“ antwortete der Landſchaftsmaler,„aber hatte einen Aſt von unglücklicher Zeichnung. Es war wie ein zerbrochenes Glied, das am Körper herabhing. Wir haben ihn amputirt, eben deßhalb ſehen Sie auch, wie ſehr ſie gewonnen hat. Man möchte ſagen, einer der majeſtätiſchen Gäſte von Dodona.
„Aber, mein Herr,“ ſagte ihm Lazare,„wir ſind im Walde von Fontainebleau. Wenn dieſer Aſt Ihnen mißfiel, ſo hätten Sie ihn nicht abhauen, ſondern für die Andern ſtehen laſſen ſollen.“
Eine dritte Ueberraſchung wartete ſeiner gerade in der Gegend, wo er ſich einrichten wollte. Zwei andere Zöglinge dieſer griechiſchen Schule waren beſchäftigt, eine Felsmaſſe aufzuputzen. Der Eine, mit einer Schüppe bewaffnet, entfernte die Moosvegetation, welche, wenn die Sonne ſie verbrannt hat, in ſo reicher Färbung erſcheint, und, wenn der Regen ſie be⸗ netzt hat, wie Geſchmeide funkelt. Mit Hülfe eines kleinen Beſens beſeitigte der Andere die Ueberreſte die⸗ ſer Schur. Als nun die beiden Felſen, ihrer dichten,


