Druckschrift 
Adeline Protat / aus dem Französichen des Henry Murger von Dr. Karl Büchele
Entstehung
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So war es ihm, während er dieſen Winkel einer in transparenten Schatten gebadeten Landſchaft betrach⸗ tete, nicht in den Sinn gekommen, in dieſem Effekt einen Anſchließungspunkt zu dieſem oder jenem Ge⸗ mälde, dieſer oder jener Schule zu ſuchen; er hatte ſich dem Zauber der Stunde und des Orts überlaſſen. In dieſe erſte ſentimentale Stimmung miſchte ſich ſofort eine lange Beranſchung, von dem durchdringenden Duft hervorgebracht, der ſich aus dem friſchgemähten Heu entwickelte, und je nach der Natur des Einzelnen wecken oder verurſachen plötzliche Erregungen einen Zuſtand von Erſchlaffung, die, ohne daß man weiß warum, Thränen ins Auge lockt. Von dieſer Berauſchung be⸗ gann Lazare die Wirkungen zu empfinden. Da es ſchon zu ſpät war, ſich ihnen zu entziehen, ſo ließ er ſich un⸗ willkürlich an den Rand einer ſüßen Träumerei trei⸗ ben, voll verwirrter Gemälde, mit flüchtigen Erſchei⸗ nungen, alten Erinnerungen, jungen Hoffnungen be⸗ völkert; aber in allen diefen Gemälden, in allen dieſen auf einander folgenden Erſcheinungen wiederholte ſich beharrlich ein Gemälde, erſchien ohne Unterlaß eine Geſtalt. Lazare ſah ſich in ſeinem Atelier, vor ſeiner Staffelei; durch das offene Fenſter bemerkte er dieſe Landſchaft an den Ufern des Lving, wie er ſie von den Fenſtern Vater Protats vor Augen hatte. Auf derſel⸗ ben Wieſe, wo er dieſem Traum ſich hingab, ſah er Adeline, wie er ſie dieſen Augenblick in Wirklichkeit nahe bei dieſem Heuſchober ſitzend wahrnehmen konnte; ſie machte ihm von Ferne ein Zeichen und wies auf ein kleines Kind, das ſich, einen Freudenſchrei aus⸗ ſtoßend, im Heu wälzte.

„Das iſt außerordentlich!“ rief Lazare, plötzlich aufſtehend;„aber es begegnet mir immer ſo mit dieſen verteufelten Henſchobern. Nicht zwei Minuten darf ich nur eine Handvoll von dieſem Gras einathmen, ohne daß es ſich mir auf die Rerven ſetzt.“