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jetzt in die Welt hinaus, aber bedenke meine Worte, es geht Dir entweder gut oder ſchlecht ja, ſie ſagte ihr noch vieles Andere dazu.“
„Mama Regina iſt ein ſehr kluges und vortreffliches Frauenzimmer.“
Am folgenden Tag legte Abſalon eine kleine Geld⸗ ſumme in einen anonymen Brief, den er durch eine ſichere Perſon Leopoldinen zuſtellen ließ.
„Gott ſei Dank,“ ſagte er dabei,„mein Herz, mein Amt und meine gute Windmühle erlauben mir eine barmherzige Handlung.“
„Und Deine Frau auch,“ fügten die beiden Schwe⸗ ſtern jetzt wie gewöhnlich zugleich hinzu.
In einem kleinen Zimmer, noch eine Treppe höher, wohnte ein anderer Reiſender. Es war ein alter Mann. Allein da oben auf einem Stuhl in der Fenſterniſche ſitzend, war er in einen tiefen Schlummer verfallen. Die Abendſonne warf einen hellen Schein über ſein ſilbergelocktes Haupt. Die Stirne war tief gefurcht, die Wangen eingeſunken und blaß. Aber auch eine Ruine trägt Blumen. Ein Ausdruck von Seelenadel, Liebe und Milde lag noch auf den gealterten Zügen Sein Schlaf war ruhig wie der Schlaf eines Kindes.
Als er erwachte, wollte er ſeinen Platz verlaſſen, aber er vermochte ſich bloß zur Hälfte aufzurichten; die Kräfte ſchienen ihn verlaſſen zu haben und er ſank wieder auf den Stuhl zurück. Er fühlte ſich ſo matt, ſo kalt, und er führte die Hand an's Herz, als wollte er ſich überzeugen, ob es bereits ſtehen geblieben ſei.. Es ſchlug ganz leiſe.


