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„O, das iſt allzu närriſch,“ antwortete dieſer, keu⸗ chend vom heftigen Lachen.
„Was iſt denn geſchehen?“
„Etwas ſehr Luſtiges.. unſer großer Concert⸗ meiſter, Herr Marimilian— im Uebrigen ein geſchick⸗ ter Burſche— hat den kleinen Fehler, daß er gar zu viel Colophonium zu ſich nimmt.“
„Colophonium, ſagen Sie 26
„Nun ja, Punſch, wenn Sie es recht genau wiſſen wollen. Er feuchtet, ſagt man, ſein Talent gar zu fleißig an, und als er ſo eben das große Tongemälde dirigiren ſollte, wurden ſeine Bewegungen allzu lebhaft, er verlor das Gleichgewicht, fiel rücklings von ſeinem erhabenen Platz herab und ſetzte ſich mitten in den Contrabaß. War das nicht luſtig, hahaha?“
„Gewiß, gewiß,“ gab Abſalon zu und entfernte ſich mit ſeinen Damen eiligſt von dem Platze.
„Gott tröſte uns über ſolche Verwandte,“ ſagte er nach einer Weile ganz bekümmert.
„Arme Leopoldine,“ ſchluchzte Lilia,„und Marxi⸗ milian, der ſo ein artiger Mann war,“ fügte Roſina hinzu.„Als er ſeine Erinnerungen an die erſte Liebe ſpielte, nein, ich will es nie vergeſſen, welchen Eindruck er da auf mich machte.“
„Und jetzt fällt er rücklings vom Stuhl hinab und macht ſeine Eindrücke auf die Baßgeige! Aber was wird die Schwiegermutter ſagen, wenn ſie hört, was für einem Schauſpiel wir angewohnt haben?“
„Mama hat, ſeit Leopoldine auf's Theater ging, immer prophezeit, daß es ein curioſes Ende mit ihr nehmen würde. Die Kunſt, pflegt ſie zu ſagen, führt geraden Wegs entweder in den Schuldthurm oder ins Narrenhaus.“
„Ich erinnere mich noch ſo gut des Tages, wo Leopoldine uns verließ. Mama gab ihr ſo ſchöne Er⸗ mahnungen. Mein liebes Kind, ſagte ſie, Du ziehſt
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