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ſchlange ein lebendiges Kaninchen verſchluckte; jetzt ging es weiter in ein Theater, wo man einen muſikaliſchen Genuß zu erwarten hatte.
Bald nach der Ankunft der Geſellſchaft begann das Orcheſter aufzuſpielen.
Die Kapelle war ſehr klein und beſtand, wie man leicht finden konnte, aus einem Haufen ganz gewöhn⸗ licher Bierfiedler. Aber der Chef, der auf einem be⸗ deutend erhöhten Platze ſaß, gab ſich ein Air und führte ſeinen Stab ſo prachtvoll, ſo großartig, wie wenn er eine der größten und ausgezeichnetſten Opernkapellen dirigirte. Die Spielenden ſaßen ganz ruhig, um nicht zu ſagen ſchläfrig da und behandelten ihre Inſtrumente vollkommen handwerksmäßig. Er dagegen ſchien haupt⸗ ſächlich darauf auszugehen, das muſikaliſche Gefühl zu repräſentiren, und ſein Zweck war offenbar, durch Mie⸗ nen und Geberden dem Ganzen einen Ausdruck und Charakter zu geben. Bei einem Polce ſah man ihn gleichſam aus eitel Wonne zerſchmelzen. Bei einem Furioso hinwiederum war er grimmig wie ein Jupiter tonans; bezeichnete er ein Piano, ſo wurde ſein ganzer Menſch ein lebendiges Pianiſſimo. Ein ſanftes Hüſchen ſchwebte über ſeine Lippen, die Augen ſchloſſen ſich, der Kopf ſank gleichſam aus Mattigkeit auf die eine Schulter, die Arme ſtreckten ſich aus, ſelbſt die Fingerſpitzen be⸗ kamen einen ſchlafferen Ausdruck, und die Hände wur⸗ den nach Außen gekehrt, gleichſam um die Töne wegzu⸗ ſchieben, oder auch langſam auf und ab bewegt, ganz als wären ſie Schwingen, womit er ſich in höheren Regionen ſchwebend erhielt. Dann kam gewöhnlich un⸗ mittelbar darauf ein Forte. Da konnte man ſich ein⸗ bilden, eine Dampfmaſchine von wenigſtens hundert Pferdekraft arbeite in ihm und ſetze ſeine Glieder in Bewegung. Mit dem Taktſtock ſchlug er auf's Schonungs⸗ Loſeſte auf den Notenpult ein, ſtampfte mit den Füßen und ſchlug wie ein Wahnſinniger um ſich„ All dieſe wechſelnden Geberden wurden mit einer gewiſſen Eleganz
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