Teil eines Werkes 
5. bis 9. Bändchen (1862)
Entstehung
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Der Herr Bürgermeiſter ſtand, wie geſagt, vor dem Spiegel und beſchaute ſeinen kaum erſt vom Schneider geſchickten Frack. Aber dieſe ſeine Frackbetrachtung ging allmälig in eine Selbſtbetrachtung über. Mit Wohl⸗ behagen lächelte er ſeinem eigenen Bilde entgegen und gewährte in dieſem Augenblick die höchſt ſeltene Erſchei⸗ nung eines Mannes, der mit ſich ſelbſt und der Welt zufrieden iſt.

Gerade ſo, bemerkte er in ſeinen Gedanken, muß der Mann ausſehen, der ein gutes Gewiſſen, eine gute Geſundheit, ein gutes Amt und eine gute Frau beſitzt. Er zog jetzt ſeine goldene Doſe heraus und nahm eine tüchtige Priſe. Auch dieß, meinte er, ſtehe ihm über alle Maßen gut. Aber der köſtliche Tabak wirkte beſonders belebend auf ſeine Phantaſie; ſie nahm einen kühnen Flug, und es däuchte dem ſelbſtzufriedenen Mann, als ſei er auf einmal an das Zellthor daheim in. verſetzt und halte dort an der Spitze der ſtädtiſchen Bürgerſchaft eine Anrede an den König des Landes.

Es war ein feierliches Gefühl, das ſich in dieſer Stunde ſeiner bemächtigte, und einen Augenblick darauf meinte er, einen kleinen, ſchönen Ordensſtern auf ſeiner breiten Bruſt glitzern zu ſehen. Da in demſelben Mo⸗ ment ſeine Naſe, gleichſam um die Viſion glaubwür⸗ diger zu machen, ſch in einem lauten Nieſen äußerte, hörte er ſehr deutlich, wie die ganze Rathsverſammlung mit einem Munde rief: Proſit, Herr Bürgermeiſter und Ritter! Dieſe Vorſtellung war ſo lebhaft, daß er ſich umwenden mußte, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß er nur in einer Einbildung lebe.

Suchſt Du Etwas, lieber Abſalon? fragte eines der Frauenzimmer auf dem Sopha, die ſeine haſtige Bewegung bemerkt hatte.

Aber der liebe Abſalon wollte nicht geſtehen, daß er eine Ritterſchaft ſuchte. Er hielt es für angemeſſener,